Die Geschichte der Nepomukkapelle in Stein

Die Johannes-Nepomuk-Kapelle in Stein wurde 1738 aufgrund eines Gelübdes errichtet und liegt am Ende einer etwa 650 Meter langen prächtigen Allee, die vom Schloss wegführt. Sie steht als offener, von vier Pfeilern getragener Kuppelraum inmitten eines prähistorischen Hügelgräberfeldes.

Maria Anna Kunegundis Freifrau von Lösch, geborene Gräfin von Törring-Seefeld und Gemahlin des damaligen Besitzers von Schloss Stein, hatte die Kapelle aufgrund eines Gelübdes gestiftet. Sie liegt am Ende einer prächtigen Lindenallee, die geradewegs vom Schloss zur Kapelle führt. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging der Weg von dort durch die Kapelle weiter bis zur Kirche in St. Georgen. In dem von vier Pfeilern getragenen, offenen Kuppelraum, über dem eine belichtete Laterne aufragt, steht eine Statue aus weißem Marmor, die den heiligen Johannes Nepomuk als Priester mit Birett und Sternenkranz, mit dem Kruzifix im Arm und der Siegespalme in der Hand darstellt. Innen ist die Kapelle reich mit Fresken ausgeschmückt. Die vier großen Figuren an den Eckpfeilern verkörpern die Kardinaltugenden: der Glaube ist als Nonne dargestellt, die Hoffnung als Frau mit Messgerät, die Liebe als Frau im antiken Gewand und die Tapferkeit als Ritter mit Säule. Darüber sind in vier Medaillons Szenen aus dem Leben des heiligen Nepomuk abgebildet. Sie zeigen den Heiligen als Almosenspender, bei der Predigt von der Kanzel, als Beichtvater der Königin von Böhmen und bei seinem gewaltsamen Sturz in die Moldau. Der Heilige Nepomuk gilt nicht nur als Wasserheiliger, als der er auf vielen Brücken steht. Man rief ihn auch bei Krankheit und Not, besonders bei schuldlosen Verdächtigungen an. Außerdem galt er als Schützer des Beichtgeheimnisses und Streiter gegen Fürstenwillkür. Beides könnte der Grund dafür sein, dass der damalige Generalvikar von Prag auf Befehl des böhmischen Königs Wenzel 1393 in der Moldau ertränkt wurde. Die Verehrung des Johannes von Nepomuk setzte aber erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts besonders stark im böhmisch-österreichisch-süddeutschen Raum ein. Seine damalige große Beliebtheit, besonders beim Adel, dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass man diese Kapelle ihm zu Ehren errichtete.

Im Heimatbuch der Gemeinde Stein, in dem die Geschichte der Kapelle niedergeschrieben ist, wurden auch Restaurierungsarbeiten im 20. Jahrhundert festgehalten, denn Witterungsverhältnisse und auch mutwillige Beschädigungen ließen die Kapelle immer mehr verfallen. Im Jahre 1968 musste demnach das Dach erneuert werden. Das Innere wurde damals ebenfalls, allerdings laut Aufzeichnungen nur wenig sachgemäß, restauriert. In den Siebziger Jahren beschloss deshalb der Verein der Freunde der Burg Stein im Auftrag der Gemeinde eine gründliche Sanierung und Sicherung der alten Kapelle. Zunächst wurde damals das äußere Pflaster wieder freigelegt, dann die Fundamente ausgebessert, eine Drainage verlegt, Holzbalustraden neu eingefügt und schmiedeeiserne Gitter nach dem Vorbild von Baumburg zum Schutz von Standbild und Fresken angebracht sowie das innere Pflaster neu verlegt. Eine Restaurierung der Fresken erfolgte 1978.

Eine umfassende erneute Restaurierung erfolgte in den Jahren 2007/08.